{"id":43,"date":"2025-08-10T07:09:11","date_gmt":"2025-08-10T07:09:11","guid":{"rendered":"https:\/\/phil.schernthanner.eu\/?p=43"},"modified":"2025-08-10T07:09:11","modified_gmt":"2025-08-10T07:09:11","slug":"eine-ode-an-das-nichtstun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/phil.schernthanner.eu\/?p=43","title":{"rendered":"Eine Ode an das Nichtstun"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Warum M\u00fc\u00dfiggang kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit ist<\/h2>\n\n\n\n<p>Dieser Blogbeitrag widmet sich dem Thema Nichtstun und dessen Bedeutung f\u00fcr das individuelle Wohl und das Gemeinwohl.<\/p>\n\n\n\n<p>Sehe ich mich um, begegnen mir immer mehr Menschen, die in jeder Lebenslage hyperaktiv wirken, die sogar im Urlaub jeden ungenutzten Moment f\u00fcllen m\u00fcssen. Mit Jack-Wolfskin-Multifunktionskleidung ausgestattete Rentnerhorden bev\u00f6lkern auf viel zu schnellen E-Bikes die Radwege, w\u00e4hrend ultrahochaktive Rennradfreaks (meist mittelalte M\u00e4nner) \u00fcber jede Landstra\u00dfe jagen, als lebten wir in einer ewigen Tour de France.<\/p>\n\n\n\n<p>Wehe, man macht in der Freizeit \u201enichts\u201c, h\u00e4ngt nur im Park oder im Garten herum \u2013 das ist verp\u00f6nt. Der Wert des Einzelnen wird von vielen an seiner Produktivit\u00e4t gemessen. Wehe, man stoppt die gewohnte k\u00f6rperliche Aktivit\u00e4t und kommt zur Ruhe, denn genau darin liegt die Krux: Das k\u00f6nnte Prozesse des Nachdenkens und Reflektierens ausl\u00f6sen. Und wenn viele nicht gerade auf E-Bikes oder anderswo die Gegend unsicher machen, fr\u00f6nen sie dem Doomscrolling und frittieren ihr Gehirn mit Reels und TikTok-Feeds, die einen endlosen Strom an Belanglosigkeiten ins Bewusstsein sp\u00fclen.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eWer also frei sein will, der soll nichts begehren und nichts ablehnen, was von anderen abh\u00e4ngt; andernfalls muss er notwendig ein Sklave sein.\u201c<br>(<em>Enchiridion<\/em>, Kap. 14, Epiktet \u2013 freie \u00dcbersetzung nach der englischen Fassung auf <a>classics.mit.edu<\/a>)<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Hier kommt ein Gegenvorschlag \u2013 und zwar der des bewussten Nichtstuns. Das hei\u00dft nicht, \u201enichts\u201c zu tun. Denn nur, wenn man Ruhe und Gem\u00fctsruhe hat, besitzt man die Basis f\u00fcr kreative Denkprozesse und echtes Abschalten \u2013 abseits von dem unsere Gesellschaft zersetzenden Strom der Reiz\u00fcberflutung.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gilt, den eigentlichen Rhythmus des Lebens zu erkennen, denn man kann nicht durchgehend aktiv sein. Die seelischen und geistigen Vorg\u00e4nge sollten zur Ruhe kommen. Das hei\u00dft: Unter der Woche w\u00e4re mein Vorschlag, einmal f\u00fcr mindestens einen ganzen Tag M\u00fc\u00dfiggang walten zu lassen. Dar\u00fcber hinaus sind gut \u00fcber den Tag verteilte Pausen und ab und zu Urlaube, wenn die Batterie leer ist, die Quintessenz \u2013 einerseits, um wieder \u201eaufzuladen\u201c, andererseits, um \u00fcberhaupt Nachdenkprozesse in Gang zu bringen. Und die hat unsere fragmentierte Highspeed-Gesellschaft bitter n\u00f6tig.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon in der Schule w\u00e4re das Fach \u201eGl\u00fcck\u201c mit Teilf\u00e4chern wie Nichtstun, richtig atmen, Nachdenken und Yoga\/Meditation meines Erachtens wichtiger als viele andere F\u00e4cher. Aber das f\u00fchrt mich nun in eine andere Richtung.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine zu starke Fixierung auf das \u00c4u\u00dfere und auf Aktivit\u00e4t beschert nur Ungl\u00fcck. Das sollte nicht falsch verstanden werden \u2013 richtige Aktivit\u00e4t im Zusammenspiel von Yin und Yang mit Phasen des M\u00fc\u00dfiggangs ist der Schl\u00fcssel, um zu wachsen. Denn das innere Gl\u00fcck ist das Ma\u00df, nicht das \u00c4u\u00dfere. Ruhe, um in die Mitte zu kommen \u2013 dann kann man heitere Gelassenheit erreichen sowie Stabilit\u00e4t und eine innere Basis. Ruhepausen \u2013 von t\u00e4glich bis hin zu Sabbaticals \u2013 sollten Bestandteile eines gelungenen Lebens sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Platt gesagt: Wir m\u00fcssen alle \u201eeinen Gang herunterschalten\u201c, vom Anspruchsdenken abkehren, zufrieden sein und uns weniger Reizen aussetzen. Das Handy ausschalten, einen handyfreien Tag einlegen, die diversen Ger\u00e4te abschalten und bewusst leben. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eWeniger ist mehr\u201c, sagte der ber\u00fchmte Architekt Ludwig Mies van der Rohe.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p><strong> Eine Reduktion auf das Wesentliche \u2013 und vorab eine Kl\u00e4rung, was dieses Wesentliche ist \u2013 w\u00fcrde allen guttun. Wichtig ist in diesem Zusammenhang festzuhalten: M\u00fc\u00dfiggang \u2260 Faulheit, keine Passivit\u00e4t, sondern ein bewusstes An- und Innehalten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eWenn du inmitten der weltlichen Anforderungen des t\u00e4glichen Lebens Kraft sparen kannst, so w\u00e4chst dir eben hier Kraft zu, erlangst du eben hier Buddhaschaft, verwandelst du eben hier H\u00f6lle in Himmel.\u201c<br>\u2014 <a class=\"\" href=\"https:\/\/www.zen-guide.de\/zen\/texte\/id\/10&amp;titel=Himmel+und+H%C3%B6lle\">Zen-Guide.de<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum M\u00fc\u00dfiggang kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit ist Dieser Blogbeitrag widmet sich dem Thema Nichtstun und dessen Bedeutung f\u00fcr das individuelle Wohl und das Gemeinwohl. 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